Schöpfungsgarten

 

Herzliche Einladung zum Verweilen,

zum Schauen, Staunen, Sehen, Riechen, Hören

und natürlich auch zum Gebet ...

zu jeder Jahreszeit!

Der Schöpfungsgarten als sichtbares Zeichen für den vielseitigen Lernweg ist ein Ort, auf dem große und kleine Menschen, auch gemeinsam mit bolivianischen Gästen, gärtnern, spielen und Gottesdienste feiern.
Im „Bolivienbeet“ wurden Samen von bolivianischem Getreide sowie deutsche und indianische Kartoffeln angebaut. Die Menschen in Titicachi engagieren sich neben dem Sozialprojekt Mosoq Punchay in einem Bewässerungs- sowie Aufforstungsprojekt, wichtig in einer Zeit des zunehmenden Klimawandels. Sie tauschen sich mit den Bleckedern über ihre Erfahrungen aus.
In den letzten Jahren wurde der Schöpfungsgarten auch ein Anliegen für weitere Menschen, denen die Sorge um die Schöpfungsverantwortung und der Wunsch, an diesem Thema gemeinsam intensiv zu arbeiten, wichtig sind.

Mariendistel

Panaschiertes Blatt der Mariendistel (legendär verursacht durch die auf die Blätter gefallenen Milchtropfen der stillenden Madonna)

Rote Rose, im Hintergrund die Madonnenlilien aus dem Marienbeet

Walderdbeere im Marienbeet mit Früchten und Blüten zugleich (als Symbol der Mutterschaft und gleichzeitigen Jungfrauenschaft Mariens)

Rote Rose aus dem Marienbeet

Zur Geschichte des Schöpfungsgartens

Im Jahr 2005 gab es auf der Wiese neben der Kirche St. Maria Königin ein besonderes Projekt. Jugendliche aus der katholischen Kirchengemeinde Bleckede (mit Kirchen in Bleckede, Dahlenburg und Neuhaus / Elbe) sowie Titicachi im bolivianischen Hochland malten gemeinsam auf drei riesigen Eichenstämmen und erzählten dem Betrachter von ihren verschiedenen Lebenswelten. Dieser erste Kontakt zwischen jungen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Erdteilen führte zur Gründung der Gemeindepartnerschaft, einer von vielen im Bistum Hildesheim, einer spannenden weltkirchlichen Beziehung mit vielen Besuchen und Briefen hin und her!

Die Bleckeder unterstützen seitdem das Projekt Mosoq Punchay in Titicachi, welches sich um behinderte indianische Kinder und Erwachsene kümmert und Aufgaben einer Sozialstation in der abgelegenen Bergregion Boliviens übernimmt.

Sie beschäftigen sich auch mit dem Thema Klimagerechtigkeit, Schwerpunktthema der Bolivienpartnerschaft im Bistum Hildesheim. Sie gehören zur Bistumsinitiative Allianz für die Schöpfung und versuchen, klimabelastende Gewohnheiten einzuschränken sowie die Sorge um das „gemeinsame Haus“ (Enzyklika „Laudato si“) ernst zu nehmen.

Die Bolivienstämme

Die 2005 erstmals bemalten und schon mehrere Male restaurierten Bolivienstämme erzählen vieles über die geschwisterlich verbundenen Gemeinden Bleckede und Titicachi. 

Der Elbstamm zeigt die weite Flusslandschaft mit ihren tierischen Geschöpfen, den Fischen, Schafen und, über allem kreisend, dem Storch.

Der von den indianischen Jugendlichen entworfene Titicachistamm zeigt Motive aus dem Hoch- und Tiefland Boliviens sowie von der indianischen Mollokultur. 

Die Magnifikatmadonna bedeutete unseren indianischen Jugendlichen viel. Sie hatten sich das Loblied Mariens als spirituelles Motiv ihrer Weltjugendtagsreise ausgesucht. Die indigenen Menschen sehen in Maria nicht nur die Mutter Jesu an der Seite der Menschen in Armut und Unterdrückung sondern werden durch sie auch an die Pachamama, die Mutter Erde, erinnert.

Streuobstwiese mit Kommunion- und Schöpfungsbäumen

Auf die Streuobstwiese setzten zunächst Erstkommuniongruppen einen Baum. Seit 2006 wurden „Schöpfungsbäume“, ortstypische Obstbäume, gepflanzt.
Der Apfelbaum „Schöner von Herrnhut“ kam, wie in anderen Gemeinden der Allianz für die Schöpfung, als Zeichen der Selbstverpflichtung der Gemeinde für ein Leben im Bewusstsein der gemeinsamen Schöpfungsverantwortung dazu.
2015 wurde in Bleckede ein Apfelbäumchen gepflanzt, kurze Zeit später in Titicachi durch Bleckeder und Bolivianer gemeinsam ein ortstypischer Pinusbaum, dieser als Symbol gegen die Abholzung in den Andenhochtälern.

Auf der Wildwiese und dem Marienbeet gedeihen Heil- oder Küchenkräuter wie Sauerampfer, Spitzwegerich, Tüpfeljohanniskraut. Frauen und Kinder bringen diese, mit Kräutern von Wegrändern oder aus Familiengärten zu Büscheln gebunden, zur Kräuterweihe im August in die Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Neuhaus.

Die Blumenbeete: Symbolträchtig und bienenfreundlich

Ein Sprichwort sagt: „Ein Leben ohne Träume ist wie ein Garten ohne Blumen.“ Blumen dürfen auch im Kirchengarten nicht fehlen. Dort gedeihen sie im Marien- und Bienenbeet.
Im Marienbeet stehen alle Pflanzen in Verbindung zur Jungfrau Maria, der Patronin unserer Pfarrkirche. Auf vielen mittelterlichen Gemälden kann man Blumen zu Füßen der Gottesmutter entdecken. Die Quellen für diese Bezüge sind vielfältig, so das Hohelied Salomos, die Lauretanische Litanei oder alte Heiligenlegenden. Die Pfingstrose, die „Rose ohne Dornen“, symbolisiert Maria, von der Sünde befreit. Die Maiglöckchen weisen auf sie als Braut hin, auf ihre Demut und Bereitschaft, die Mutter des Erlösers zu werden. Die Walderdbeere, die zur selben Zeit Blüten und Früchte trägt, steht für die gleichzeitige Mutterschaft und Jungfräulichkeit Mariens.
Im Bienenbeet wachsen Blumen, die im Sommer, wenn das Blütenangebot schon stark zurückgegangen ist, reichlich Nektar und Pollen für die Kirchenbienen, Wildbienen und Schmetterlinge liefern. Dabei werden keine Blumen mit gefüllten Blüten verwendet, um den Fluginsekten den Zugang zur Nahrung nicht zu erschweren. An den Ringel-, Sonnen- und Kornblumen, den Malven, Zinnien, Dahlien und der Phacelia können Acker-, Garten- und Wiesenhummeln aber auch Schmetterlinge wie der Zitronenfalter, das Tagpfauenaue oder das Landkärtchen entdeckt werden.

Eine Artenliste der Beete im Schöpfungsgarten finden Sie hier.

Lernort „Kirchenbienen im Schöpfungsgarten“

Im Frühjahr 2016 stellte ein Hobbyimker aus der Kirchengemeinde zwei seiner Bienenvölker auf die Schöpfungswiese und berichtete nach Familiengottesdiensten von seiner Arbeit. Später führte er drei Frauen aus der Gemeinde in das verantwortungsvolle Imkerhandwerk ein. Diesen gelang es nach und nach, mithilfe ihrer praktischen Erfahrungen im Jahreslauf ein größeres Verständnis für diese ganz besonderen Insekten zu entwickeln. Denn die Honigbienen haben, zusammen mit Wildbienen und Hummeln, als Bestäuber vieler Nutzpflanzen für die Biodiversität und Ernährungssicherheit der Menschheit eine außerordentliche Bedeutung.
Die „Bienenhüterinnen“ erlebten in kühlen Sommer- und harten Winterperioden schwierige Zeiten für die Bienenvölker, in warmen, trockenen Sommerzeiten einen großen Wachstumsschub. Viel Beobachtungsgabe ist gefragt, wenn die Drohnenbrut dezimiert oder immer wieder eine Weiselzelle mit einer neuen Königinnenlarve entfernt werden muss. Die Imkerinnen müssen aufpassen, dass kein Volk schwärmt und nie eine Königin aus seinem Zentrum entfernt wird.
Mit Stolz konnte der erste Honig geschleudert und in Gläser abgefüllt werden. Sein Verkauf nach den Gottesdiensten hilft, Neuanschaffungen zu finanzieren und gibt einen Eindruck vom mühseligen Gewinnungsprozess. Der Schutz der für den Menschen so wichtigen Bienen durch eine naturnahe und pestizidarme Landwirtschaft wird so zum echten Anliegen.
Das Wissen darum, dass das Imkerhandwerk auch in den Dörfern der bolivianischen Partnergemeinde Titicachi betrieben wird, ist eine weitere gute Erfahrung für das „gemeinsame Handeln im gemeinsamen Haus“.